Heinrich-Böll-Schule
Letztes Update: 17.09.2007
Industrialisierung

Industrialisierung

 

1. Begriff

 

Unter Industrialisierung (seit 1800) versteht man den Einsatz von Maschinen, der Wissenschaft und billiger Arbeitskraft zur Herstellung von Gütern in Fabriken.

In der vorindustriellen Welt wurden die Sachen für den täglichen Gebrauch in erster Linie durch den Einsatz von einfachen Werkzeugen, durch Muskelkraft von Menschen und Tieren sowie durch natürliche Energien wie Wind und Wasserkraft hergestellt. Durch die Erfindung der Dampfmaschine (Mitte des 18. Jahrhunderts) konnte man sich von den Beschränkungen der natürlichen Energien befreien.

 

2. Industrialisierung

 

Arbeit im Mittelalter

 

Im Mittelalter arbeiteten die meisten Menschen auf dem Land. Sie produzierten die Nahrungsmittel für den eigenen Verbrauch sowie ihre Werkzeuge und ihre Bekleidung selbst. Außerdem mussten sie für den Landbesitzer (Adlige) arbeiten.

 

Handel

 

Zu Beginn der Neuzeit (um 1500) – in einigen europäischen Städten schon viel früher – begann ein lebhafter Handel mit Waren aller Art. Es wurde überall in der Welt billig eingekauft und dann wieder teuer verkauft. Die Händler wurden immer reicher.

Nun kamen einige Händler auf den Gedanken, man könne auch einfach Rohstoffe einkaufen, sie zu Fertigwaren verarbeiten und dann teuer verkaufen. Man machte sich Gedanken, wie man viele Sachen zu einer ordentlichen Qualität schnell und billig produzieren konnte.

 

Manufakturen und Fabriken

 

So entstanden die Manufakturen: Man zerlegte die Arbeit zur Herstellung eines Produktes in möglichst viele kleine Schritte. So konnten Arbeiter ohne Ausbildung die Handgriffe schnell erlernen und ausführen. Ein teurer Geselle oder sogar Meister war nicht mehr notwendig.

Außerdem wurde die Entwicklung von Maschinen beschleunigt (Erfindungen)

 

 

 

Arbeitskräfte

 

Der Bedarf an billigen Arbeitskräften wurde immer größer. Da im Mittelalter und in der frühen Neuzeit viele Menschen an Pest, Cholera und Pocken starben, hatte man da ein Problem. Durch Maßnahmen wie bessere hygienische Versorgung – Trennung von Frisch- und Schmutzwasser – und die Pockenschutzimpfung konnten mehr Menschen überleben.

Moderne Produktionsmethoden in der Landwirtschaft wie Saatgutauslese und Zuchtwahl hatten zur Folge, dass auf dem Land weniger Menschen viel mehr Nahrungsmittel herstellen konnten. So wurden viele Menschen auf dem Lande arbeitslos, die dann in der Fabrik arbeiten konnten und mit den Überschüssen der Landwirtschaft versorgt wurden.

 

3. soziale Probleme

 

Arbeitsbedingungen

 

Die Besitzer der Fabriken, die Unternehmer, wollten immer mehr Geld verdienen. So ließen sie ihre Arbeiter immer länger arbeiten (bis 18 Stunden) und bezahlten nur einen geringen Lohn, von dem die Arbeiterfamilie nicht leben konnte. Darum mussten auch die kleinen Kinder (Vierjährige im Bergwerk) schon wie Erwachsene arbeiten. Das führte dazu, dass die Arbeiter krank wurden und früh starben.

 

Staat

 

Der Staat beobachtete diese Entwicklung mit Besorgnis. Zum einen hatte er Angst, dass es irgendwann nicht mehr genug funktionstüchtige Arbeitskräfte gab, zum anderen bemerkte er, dass seine Soldaten nicht mehr kräftig genug waren, erfolgreiche Kriege zu führen.

So beschloss er, die Länge des Arbeitstages zunächst auf 10 Stunden zu begrenzen. (6-Tage-Woche). Außerdem führte er die Sozialversicherungen ein. Für den Fall von Krankheit, Unfall oder Alter sollten sich die Arbeiter versichern. Von den Arbeitgebern verlangte man in Deutschland die Hälfte der Kosten für diese Versicherungen.

 

Gewerkschaften

 

Die Arbeiter schlossen sich in Gewerkschaften zusammen, um der drohenden Verelendung ihrer Klasse zu begegnen. Mit organisierten Streiks forderten sie von den Unternehmern mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen.

Die Arbeiter haben erkannt, dass sie alleine nichts gegen den Unternehmer ausrichten können. Der kündigt dem aufsässigen Arbeiter und stellt einfach einen neuen ein, der im Heer der Arbeitslosen einfach zu finden ist.

 

Begriffe:

 

-  Mittelalter: 400 – 1500 n. Chr.

-  Neuzeit: 1500 – heute

-  Beginn der Industrialisierung: ab 1800

 

-  Adlige: Im Mittelalter wurde die Gesellschaft in Europa in drei Stände aufgeteilt:

         1. Stand Geistliche „Beten“

         2. Stand Adlige „Regieren“

         3. Stand Bauern, Handwerker, Händler „Arbeiten“

 

-  Ware: Dinge, die für den Verkauf hergestellt worden sind

 

-  Pest, Cholera, Pocken: Infektionskrankheiten durch Viren und Bakterien

 

-  Saatgutauslese: Man suchte sich Nutzpflanzen aus, die besonders ertragreich waren.

 

-  Zuchtwahl: Es wurden Tiere ausgewählt und gezüchtet, die besonders viel Fleisch oder Milch hatten.

 

 

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