Heinrich-Böll-SchuleIndustrialisierung
1. Begriff
Unter
Industrialisierung (seit 1800) versteht man den
Einsatz von Maschinen, der Wissenschaft und billiger Arbeitskraft zur
Herstellung von Gütern in Fabriken.
In der
vorindustriellen Welt wurden die Sachen für den
täglichen Gebrauch in erster Linie durch den Einsatz von
einfachen Werkzeugen,
durch Muskelkraft von Menschen und Tieren sowie durch
natürliche Energien wie
Wind und Wasserkraft hergestellt. Durch die Erfindung der Dampfmaschine
(Mitte
des 18. Jahrhunderts) konnte man sich von den Beschränkungen
der natürlichen
Energien befreien.
2.
Industrialisierung
Arbeit im
Mittelalter
Im Mittelalter
arbeiteten die meisten Menschen auf dem Land.
Sie produzierten die Nahrungsmittel für den eigenen Verbrauch
sowie ihre Werkzeuge
und ihre Bekleidung selbst. Außerdem mussten sie für
den Landbesitzer (Adlige)
arbeiten.
Handel
Zu Beginn der
Neuzeit (um 1500) – in einigen europäischen
Städten schon viel früher – begann ein
lebhafter Handel mit Waren aller Art. Es
wurde überall in der Welt billig eingekauft und dann wieder
teuer verkauft. Die
Händler wurden immer reicher.
Nun kamen
einige Händler auf den Gedanken, man könne auch
einfach Rohstoffe einkaufen, sie zu Fertigwaren verarbeiten und dann
teuer verkaufen.
Man machte sich Gedanken, wie man viele Sachen zu einer ordentlichen
Qualität
schnell und billig produzieren konnte.
Manufakturen
und
Fabriken
So entstanden
die Manufakturen: Man zerlegte die Arbeit zur
Herstellung eines Produktes in möglichst viele kleine
Schritte. So konnten
Arbeiter ohne Ausbildung die Handgriffe schnell erlernen und
ausführen. Ein teurer
Geselle oder sogar Meister war nicht mehr notwendig.
Außerdem
wurde die Entwicklung von Maschinen beschleunigt
(Erfindungen)
Arbeitskräfte
Der Bedarf an
billigen Arbeitskräften wurde immer größer.
Da
im Mittelalter und in der frühen Neuzeit viele Menschen an
Pest, Cholera und Pocken
starben, hatte man da ein Problem. Durch Maßnahmen wie
bessere hygienische
Versorgung – Trennung von Frisch- und Schmutzwasser
– und die
Pockenschutzimpfung konnten mehr Menschen überleben.
Moderne
Produktionsmethoden in der Landwirtschaft wie
Saatgutauslese und Zuchtwahl hatten zur Folge, dass auf dem Land
weniger Menschen
viel mehr Nahrungsmittel herstellen konnten. So wurden viele Menschen
auf dem
Lande arbeitslos, die dann in der Fabrik arbeiten konnten und mit den
Überschüssen der Landwirtschaft versorgt wurden.
3. soziale
Probleme
Arbeitsbedingungen
Die Besitzer
der Fabriken, die Unternehmer, wollten immer
mehr Geld verdienen. So ließen sie ihre Arbeiter immer
länger arbeiten (bis 18
Stunden) und bezahlten nur einen geringen Lohn, von dem die
Arbeiterfamilie
nicht leben konnte. Darum mussten auch die kleinen Kinder
(Vierjährige im
Bergwerk) schon wie Erwachsene arbeiten. Das führte dazu, dass
die Arbeiter
krank wurden und früh starben.
Staat
Der Staat
beobachtete diese Entwicklung mit Besorgnis. Zum
einen hatte er Angst, dass es irgendwann nicht mehr genug
funktionstüchtige
Arbeitskräfte gab, zum anderen bemerkte er, dass seine
Soldaten nicht mehr kräftig
genug waren, erfolgreiche Kriege zu führen.
So beschloss
er, die Länge des Arbeitstages zunächst auf 10
Stunden zu begrenzen. (6-Tage-Woche). Außerdem
führte er die Sozialversicherungen
ein. Für den Fall von Krankheit, Unfall oder Alter sollten
sich die Arbeiter
versichern. Von den Arbeitgebern verlangte man in Deutschland die
Hälfte der
Kosten für diese Versicherungen.
Gewerkschaften
Die Arbeiter
schlossen sich in Gewerkschaften zusammen,
um der drohenden Verelendung
ihrer Klasse zu begegnen. Mit organisierten Streiks forderten sie von
den
Unternehmern mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen.
Die Arbeiter
haben erkannt, dass sie alleine
nichts gegen den Unternehmer ausrichten können. Der
kündigt
dem aufsässigen Arbeiter und stellt einfach einen neuen ein,
der im Heer der
Arbeitslosen einfach zu finden ist.
Begriffe:
- Mittelalter: 400
–
1500 n. Chr.
- Neuzeit: 1500 –
heute
- Beginn der
Industrialisierung: ab 1800
- Adlige: Im
Mittelalter wurde die Gesellschaft in Europa in drei Stände
aufgeteilt:
1. Stand
Geistliche „Beten“
2. Stand
Adlige „Regieren“
3. Stand
Bauern, Handwerker, Händler „Arbeiten“
- Ware: Dinge, die
für den Verkauf hergestellt worden sind
- Pest, Cholera,
Pocken: Infektionskrankheiten durch Viren und Bakterien
- Saatgutauslese: Man
suchte sich Nutzpflanzen aus, die besonders ertragreich waren.
- Zuchtwahl: Es
wurden Tiere ausgewählt und gezüchtet, die besonders
viel Fleisch oder Milch
hatten.